Reisekrankenversicherungen und chronische Erkrankungen

Reisende mit gesetzlicher Krankenversicherung brauchen eine private Auslandsreise-Krankenversicherung – vor allem außerhalb Europas. Der Grund: Die deutsche Kasse bezahlt medizinische Leistungen in Amerika, Kanada, Australien oder Asien nicht. Einen Krankenrücktransport bezahlt sie selbst in Europa nicht.

Reisekrankenversicherungen - Versicherungslücke bei chronischen Krankheiten

Chronisch Kranke sind mit der Reisekrankenversicherung allein allerdings nicht ausreichend geschützt. Denn sie zahlt häufig nicht, wenn eine Behandlung im Ausland vorhersehbar war.

Die Allg. Versicherungsbedingungen der Reisekrankenversicherungen enthalten in der Regel den nachfolgenden (oder einen ähnlichen) Passus: "Keine Leistungspflicht besteht ... für Heilbehandlungen oder andere ärztlich angeordnete Maßnahmen, die vor Antritt der versicherten Reise feststanden oder von denen der versicherten Person vor Reiseantritt bekannt war, dass sie bei planmäßiger Durchführung der Reise stattfinden mussten."

Wenn also klar ist, dass z.B. während der Reise eine regelmäßige Dialyse erforderlich ist, sind diese Kosten nicht vom Versicheungsumfang der Reisekrankenversicherung umfasst. Diese Versicherngslücke müssen die Patienten vor der Reise mit Unterstützung ihrer gesetzlichen Krankenkasse schließen.

 

Unsere Empfehlung: Sprechen Sie bei chronischen Krankheiten vor Reisebeginn mit Ihrer gesetzlichen Krankenkasse

Menschen mit chronischen Vorerkrankungen wie multiple Sklerose und Diabetes aber auch insbesondere Dialysepatienten sollten bei ihrer gesetzlichen Krankenversicherung  den Nachweis erbringen, dass sie keine private Auslandskrankenversicherung für notwendige Behandlungen im Ausland gefunden haben. Im Regelfall reicht es aus, wenn man ein bis drei Ablehnungsschreiben vorlegen kann, in denen der Versicherer auf Anfrage  bestätigt, dass er Behandlungskosten für die entsprechende chronische Krankheit nicht übernimmt. Denn dann muss die Krankenkasse nach Prüfung die Kosten übernehmen.

Wie ist die Leistungspflicht für die Behandlung chronischer Krankheiten im Ausland gesetzlich geregelt?

Der Schutz von chronisch Kranken im Ausland gehört zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen. Diese Leistungspflicht ist im Sozialgesetzbuch V in § 18 festgeschrieben.

SGB 5 § 18 Abs. 3: "Ist während eines vorübergehenden Aufenthalts außerhalb des Geltungsbereichs des Vertrages zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft und des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum eine Behandlung unverzüglich erforderlich, die auch im Inland möglich wäre, hat die Krankenkasse die Kosten der erforderlichen Behandlung insoweit zu übernehmen, als Versicherte sich hierfür wegen einer Vorerkrankung oder ihres Lebensalters nachweislich nicht versichern können und die Krankenkasse dies vor Beginn des Auslandsaufenthalts festgestellt hat. Die Kosten dürfen nur bis zu der Höhe, in der sie im Inland entstanden wären, und nur für längstens sechs Wochen im Kalenderjahr übernommen werden. Eine Kostenübernahme ist nicht zulässig, wenn Versicherte sich zur Behandlung ins Ausland begeben. Die Sätze 1 und 3 gelten entsprechend für Auslandsaufenthalte, die aus schulischen oder Studiengründen erforderlich sind; die Kosten dürfen nur bis zur Höhe übernommen werden, in der sie im Inland entstanden wären."

Für sechs Wochen im Kalenderjahr übernimmt die gesetzliche Krankenkasse also auch außerhalb Europas die Kosten maximal bis zu der Höhe, in der sie im Inland entstanden wären. Sie springt auch ein, wenn Menschen mit Vorerkrankungen aus schulischen oder Studiengründen einen außereuropäischen Aufenthalt antreten.

Tipp: Eine private Reisekranken­versicherung brauchen Sie trotzdem noch für Notfälle im Ausland, die nichts mit der Vorerkrankung zu tun haben – seien es Infektionen,Zahnschmerzen, ein Beinbruch oder die Folgen eines Autounfalls.

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