Reisekrankenversicherung zahlt nicht bei Suizidversuch


25.03.2014

Reisekrankenversicherung - Suizidversuch

Die Reisekrankenversicherung leistet nicht immer. Es gibt eine sehr begrenzte Anzahl von Sonderfällen, in denen die Versicherungskunden keine Erstattung erwarten dürfen.

Hierzu gehören vorsätzlich verursachte Verletzungen und zwar auch dann, wenn es sich um einen versuchten Suizid handelt. Einen solchen Fall hatte das Landgericht in Dortmund zu entscheiden. Es kam zum Ergebnis, dass medizinische Behandlungskosten für die Nachbehandlung nach einem erfolglosen Suizidversuch im Ausland von der Auslandsreisekrankenversicherung nicht bezahlt werden müssen (LG Dortmund Az. 2 O 309/13).

Kein Fall für die Reisekrankenversicherung

Während ihres Mexiko Urlaubs hat eine Touristin in ihrem Hotel wenige Tage nach ihrer Ankunft einen Selbstmordversuch unternommen. Vermuteter Grund  war der Tod des Ehemannes, der gerade ein halbes Jahr zurücklag. Kurz nachdem sie sich die Pulsadern aufgeschnitten hatte, wurde sie - glücklicherweise noch lebend - von einer aufmerksamen Hotelmitarbeiterin gefunden , die einen sofortigen Transport auf die Intensivstation eines Krankenhauses veranlasste.

Nach einer Woche konnte die Urlauberin das Krankenhaus wieder geheilt verlassen. Für die Behandlung wurden ihr zwei Rechnungen über umgerechnet 8.306,01 Euro gestellt. Eine zahlte sie vor Ort, die zweite Rechnung wurde zunächst von ihrer Auslandskrankenversicherung beglichen.

Nachdem der Versicherer allerdings festgestellt hatte, dass es sich um Behandlungskosten handelte, die infolge eines "missglückten" Selbstmordversuchs angefallen waren, forderte er das Geld zurück. Vor dem LG Dortmund musste die Streitfrage geklärt werden , ob ein gedeckter Versicherungsfall vorlag.

In den AVB (Allg. Versicherungsbedingungen) der Reisekrankenversicherung wird eine Leistung bei auf Vorsatz beruhenden Unfällen und Unfallfolgen ausgeschlossen. Nach Ansicht der Versicherungsnehmerin würde dabei ein fehlgeschlagener Selbsttötungsversuch nicht unter diesen Ausschluß fallen. Außerdem beinhalte der Unfallbegriff das Merkmal der Unfreiwilligkeit. Statt des gewünschten Todes würde eine Gesundheitsbeschädigung eintreten, für die nach allgemeiner Auffassung kein Vorsatz vorliegt.

Leistungsausschluss in der Auslandskrankenversicherung

Der Versicherer hingegen berief sich auf den Leistungsausschluss in der Reisekrankenversicherung für die auf Vorsatz beruhenden Unfälle und deren Folgen. Nach Meinung der Versicherung muss sich der Vorsatz nur auf den Unfall und nicht auf dessen Folgen beziehen. Zudem sei eine Gesundheitsbeschädigung ein vom Vorsatz notwendigerweise erfasstes Durchgangsstadium für eine (fehlgeschlagene) Selbsttötung.

Dem stimmten die Richter des Landgerichts Dortmund zu. Die Versicherungsnehmerin habe in diesem Fall keinen Kostenerstattungsanspruch. Bei dem Selbsttötungsversuch durch Aufschneiden der Pulsadern handele es sich um einen vorsätzlich herbeigeführten Unfall und bei der ärztlichen Behandlung um dessen Folgen. Dieser ist  gemäß den AVB der Reisekrankenversicherung von der Leistung ausgeschlossen.

In den Versicherungsbedingungen der Reisekrankenversicherung befindet sich keine Definition eines Unfalls. Das führt allerdings nicht dazu, dass dort der anders definierte Unfallbegriff aus der privaten Unfallversicherung angewendet werden darf. In der Krankenversicherung - zu der auch die Reisekrankenversicherung gehört - wird ein Unfall durch ein von außen kommendes, plötzliches Einwirken auf die eigene Gesundheit verstanden.

Die ärztliche Behandlung nach dem Suizidversuch stellt laut Gericht eine Folge des vorsätzlichen und bewussten Eingriffes in die eigene Gesundheit dar und ist somit nicht versichert..

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